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FÜR EIN SOZIALTICKET | ||
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„Die
Stärke einer Gesellschaft zeigt sich in ihrem Verhältnis zu den
Schwachen.“ Rede des Generalsuperintendenten Martin-Michael Passauer bei der Übergabe von 41.500 Unterschriften für ein bezahlbares Sozialticket am 21. September 2004 vor dem Roten Rathaus Sehr
geehrte Damen und Herren, liebe Senatorinnen, ich
danke besonders Ihnen, den Senatorinnen, dass Sie zur Übergabe dieser
Unterschriften gekommen sind und sich nicht haben durch andere vertreten
lassen. Über 40.000 Menschen erheben Einspruch. Sie widersprechen öffentlich
der Entscheidung des Senates, die Landeszuschüsse für die ermäßigte
Monatskarte für Sozialhilfeempfangende zu streichen. Aufgrund
der Streichung des Senates haben dann die Verkehrsbetriebe das
Sozialticket abgeschafft. Seit April dieses Jahres gibt es auch die
Monatskarte für Bezieher von Arbeitslosenhilfe und Senioren mit kleiner
Rente nicht mehr, obwohl beide Tickets nicht durch das Land Berlin
subventioniert werden. Parallel dazu wurden die regulären Fahrpreise erhöht.
Für viele Menschen sind dadurch die Fahrten mit unseren öffentlichen
Verkehrsmitteln unerschwinglich geworden. Dies alles ist Grund genug für
einen öffentlichen Protest - auch der Kirchen. Ich bin froh, dass so
viele Menschen in unserer Stadt die Stimme erheben und mit ihrer
Unterschrift sagen: das kann und darf doch nicht wahr sein. Die
Stärke einer Gesellschaft zeigt sich in ihrem Verhältnis zu den
Schwachen. Die Stärke der Politik in unserer Stadt zeigt sich im Umgang
mit den Schwachen. Die Politik, die von Parteien verantwortet wird, die
beide das Wort >sozial< in ihrem Namen haben, hat eine bindende
Verpflichtung, den Sozialschwachen besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Die
Einstellung des Sozialtickets ist deshalb das völlig falsche Signal. Das
sagen nicht nur die Rednerinnen und Redner aus Kirche und Gewerkschaft
heute hier vor dem Roten Rathaus, sondern über 40.000 Berlinerinnen und
Berliner. Wir
alle setzen uns für sie Wiedereinführung eines ermäßigten BVG-Tickets
für Menschen mit geringem Einkommen ein. Dieses Ticket darf nicht mehr
als 10,- € kosten. Wir wissen auch, dass es zurzeit Verhandlungen
zwischen Senat und Verkehrsbetrieben gibt, aber ein Ergebnis ist noch
nicht in Sicht. 40.000
fordern nichts Unmögliches. Sie fordern weder Privilegien noch Wohltaten,
sie fordern nur, dass auch Menschen mit geringem Einkommen ein Recht
haben, am öffentlichen Leben unserer Stadt teilzunehmen wie alle anderen
auch. Soziale Ausgrenzung geschieht nicht nur durch Arbeitslosigkeit,
minderes Einkommen und schlechte Wohnverhältnisse, sondern auch durch
Verweigerung von Mobilität. Deshalb fordern wir, dass auch mit Hilfe
unserer Steuergelder der Sozialschwache in unserer Stadt in den öffentlichen
Verkehrsmitteln wieder zu sehen ist. Zu Hause oder ausschließlich im Kiez
bleiben, fördert nicht die Kommunikation in unserer Stadt. Nur durch
Teilhabe aller Menschen am Leben unserer Stadt fördern wir den Frieden in
unserer Stadt. Diesem Frieden ist die Politik in besonderer Weise
verpflichtet - 40.000 wollen diesem Wunsch heute öffentlich Nachruck
verleihen und ihre Stimme erheben. |
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