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Ein-Euro-Jobs | ||
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Die
Berliner Kampagne gegen Hartz IV
mit Unterstützung des Berliner Sozialforums und des Berliner Arbeitslosenzentrums (BALZ) lädt
ein zum Thema: Ein-Euro-Jobs
in Berlin - 1. Versammlung von (künftig) Betroffenen am
Montag, dem 22.11.2004 um 18.30 Uhr, im ´Familiengarten` in der
Oranienstr. 34 (U-Kottbusser
Tor / U-Moritzplatz / Bus 129, Station Adalbertstr.) Mit
der Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zum
Arbeitslosengeld II (Alg II / Hartz IV) werden ab Januar 2005
Ein-Euro-Jobs im großen Stil eingeführt und die Verdrängung regulärer
Beschäftigung eingeleitet. Wirtschaftsminister
Clement plant bekanntlich 600.000 solcher Einsatzgelegenheiten, allein in
Berlin könnten nach Ansicht von Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (PDS)
bis zu 50.000 Erwerbslose in 1-Euro-Jobs eingesetzt werden. Mit
dem Inkrafttreten von Hartz IV stellen sich viele Fragen:
Diese
und andere Fragen, die den (derzeit) Betroffenen und den von Arbeitszwang
Bedrohten auf der Seele liegen, sollen auf einer 1. Versammlung in Berlin
erörtert werden. Zum offenen Austausch sind vor allem künftige Alg
II-BezieherInnen eingeladen und jene, denen bereits ein 1-Euro-Job
“angeboten” wurde. Verschiedene ArbeitsrechtlerInnen, AktivistInnen
aus dem Anti-Hartz-Spektrum sowie Aktive aus der gewerkschaftlichen u.a.
Erwerbslosenarbeit haben ihr Kommen zugesagt. Der
Einsatz von 1-Euro-JobberInnen ist bisher vor allem in der Altenhilfe und
Pflege geplant, in Krankenhäusern und Behindertenwerkstätten, in
ambulanten sozialen Diensten, in Einrichtungen der offenen Jugendhilfe, in
familienunterstützenden Diensten, in Sportvereinen, Schulen und
Kindertagesstätten und im Umweltbereich. Überall
dort, wo in den letzten Jahren massiv Personal abgebaut wurde, sollen die
“Eingesparten” und andere Menschen, die länger als ein Jahr
erwerbslos sind, demnächst zu Ein-Euro-Bedingungen eingesetzt werden.
Die Schaffung neuer regulärer Arbeitsplätze und ein Übergang in den
ersten Arbeitsmarkt sind hier nicht zu erwarten. Auf die BezieherInnen von
Alg II kommen harte Zeiten zu. Denn der Phantasie der Kommunen und Verbände
sind keine Grenzen gesetzt, wenn es um die Einrichtung von Ein-Euro-Jobs
geht. Begehrlichkeiten sind geweckt, wie das Beispiel der BVG zeigt, die jüngst
ihr Interesse bekundet hat. Auch an den Einsatz erwerbsloser Lehrer in
Vorschul-Sprachkursen und erwerbsloser Banker in der Schuldenberatung ist
gedacht. Von
diesen billigen Arbeitskräften profitieren vor allem die Kommunen und die
freien Träger. Kleine gemeinnützige Einrichtungen können den Verlust öffentlicher
Förderung ausgleichen. Und die großen Wohlfahrtsverbände, die nicht
selten wegen Missmanagements tief in den roten Zahlen stecken, erhalten
die Möglichkeit, sich zu sanieren. Denn von den maximal 500,- Euro, die
die Bundesagentur für jede dieser Arbeitsgelegenheiten zahlt,
verbleibt der größere Teil in den Händen des Arbeitgebers bzw. freien
Trägers. Die Betroffenen erhalten zum Alg II lediglich eine so genannte
Mehraufwandsentschädigung von 1,- bis maximal 1,80 Euro die Stunde (je
nach Kommune und Träger; in Berlin sind es 1,00 bis 1,50 Euro). Diese
wird aber, je nach Stundenzahl (in der Regel 15 bis 30-Stunden die Woche)
oft nicht einmal die tatsächlichen Mehrausgaben für Kleidung, (Kantinen-)Essen,
Fahrtkosten etc. decken. In
Berlin gibt es seit dem 15.September 1-Euro-Jobs, gewissermaßen im
Probelauf. Bis zum 31.12.2004 kann der Job noch abgelehnt werden. Doch
schon jetzt führen materielle Not oder Angst vor Schikanen durch
Agenturmitarbeiter oder die Angst vor dem künftigen Arbeitszwang zur
“freiwilligen” Aufnahme der Ein-Euro-Beschäftigung. Wer jetzt
ablehnt, riskiert einen Vermerk oder mehr; denn die Bundesagentur
empfiehlt „in diesen Fällen Trainingsmaßnahmen zur Überprüfung der
Arbeitswilligkeit“, da im Rahmen des noch geltenden SGB III
„leistungsrechtliche Konsequenzen nicht gezogen werden (können).“
(Zentrale der BA, Verfahrensumsetzung, SR 2/TP Markt und Integration, Nürnberg,
09.08.2004) Ab Januar ist die
Freiwilligkeit abgeschafft, dann droht bereits bei einer ersten Ablehnung
eine 30prozentige Kürzung des Alg II. Was ab Januar 2005 auf Alg
II-BezieherInnen zukommt, lässt sich erahnen, wenn man Beispiele aus der
derzeitigen Zuweisungspraxis anschaut: Da soll ein
Literaturwissenschaftler in der Altenpflege eingesetzt werden, einer
Akademikerin wird ein 1-Euro-Job in der Kranken- und Hauspflege
angetragen, Putzen und Einkäufe inbegriffen, eine erwerbslose
Sozialforscherin soll für 1,50 Euro als Vollzeit-Bürofachkraft in
Forschung und Entwicklung arbeiten. Vor
diesem Hintergrund ist es Zeit, dass die künftigen Alg II-BezieherInnen
und potentiell von Arbeitszwang Betroffenen zusammenkommen und erste Überlegungen
anstellen, wie ein regelmäßiger Austausch, wie eine Rechtsberatung und
anderes mehr organisiert werden können. Wir wollen mit dieser ersten
Versammlung am 22.11. den Anstoß zu (Selbst-)Organisierung und
Selbstbehauptung geben. Mittelfristig werden drei Ziele verfolgt:
Verbreitet
bitte diese Einladung weiter. Für
Rückfragen, Anregungen etc.: Angelika
Wernick Corinna
Genschel (Berliner Sozialforum)
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