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Jedes vierte Kind in Ostdeutschland ist arm
Wohlfahrtsverband: Kinderarmut erreicht mit Hartz IV
Rekordniveau
25.8.2005 - Die
Kinderarmut hat in der Bundesrepublik eine historisch neue Dimension
erreicht. Nach einer Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes (DPWV) hat
die Einführung von Hartz IV zum Jahresbeginn die Zahl der von Armut
betroffenen Kinder auf eine Rekordsumme von 1,7 Millionen steigen lassen. "Hartz
IV heißt zu wenig für zu viele", so das Fazit von Dr. Ulrich Schneider,
Hauptgeschäftsführer des DPWV, am Donnerstag in Berlin bei der Präsentation
der Studie.
Nach Berechnungen des Verbandes leben über 1,5 Millionen Kinder auf
Sozialhilfeniveau. Auf weitere 200 000 schätzt der DPWV die Dunkelziffer der
Kinder, die zwar ein Anrecht auf eine Sozialleistung hätten, diese jedoch
nicht in Anspruch nehmen. Insgesamt leben 14,2 Prozent der Kinder in Armut -
also jedes 7. Kind in Deutschland. Dabei unterscheiden sich die Zahlen stark
zwischen Ost- und Westdeutschland. In Westdeutschland beträgt die
Kinderarmutsquote 12,4 Prozent, in Ostdeutschland 23,7 Prozent. In etlichen
Städten wird sogar die 30-Prozent-Marke deutlich überschritten. Auch in
Westdeutschland sind für einige Städte erschreckende Zahlen zu registrieren.
Eklatante Beispiele aus Ost und West sind: Berlin (29,9 Prozent), Schwerin
(34,3), Görlitz (35), Halle (34,6), Offenbach am Main (28,7) im bayerischen
Hof (20 Prozent), Pirmasens (25,3), Bremerhaven (38,4), Kiel (29,6), Hamburg
(20,4).
"Es ist verheerend für ein Gemeinwesen, wenn ein Drittel der Kinder vom
normalen gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen sind", sagte Dr. Ulrich
Schneider. "Für Kinder, die von Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe leben
müssen, ist vieles Tabu, was für andere selbstverständlich ist:
Musikunterricht, Turnen im Sportverein, Zoobesuch oder Computerkurs." Nicht
einmal Nachhilfeunterricht sei bezahlbar.
"Wir können es uns nicht leisten, 1,7 Millionen Kinder auf einem
Einkommensniveau zu belassen, das ihnen schlicht Zukunftschancen nimmt",
warnte Schneider. Der DPWV fordert: Beim Bezug von Arbeitslosengeld II und
Sozialgeld muss künftig wieder die Möglichkeit eingeräumt werden, einmalige
Leistungen für Ausgaben wie beispielsweise die Einschulung zu gewähren.
"Schulranzen, Schultüte, Turnbeutel, Turnkleidung, Federmappe und
Schreibhefte addieren sich schnell zu 180 Euro. Wie soll dies bei einem
Kinder-Regelsatz von 207 Euro im Monat bestritten werden?" fragte Schneider.
Sozialhilfe, Arbeitslosengeld II und Sozialgeld müssten zudem um mindestens
19 Prozent erhöht werden, damit wenigstens annähernd von Bedarfsdeckung
gesprochen werden könne. Deutschland brauche darüber hinaus ein Bildungs-
und Erziehungssystem, das es schaffe, auch für Kinder aus bildungsfernen
Familien Chancengerechtigkeit herzustellen.
Die komplette Expertise finden Sie auf den
Internet-Seiten des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes.
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