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„Jobboom blieb aus, Armut
nahm zu!“
Deutscher Gewerkschaftsbund zu Auswirkungen rot-grüner Arbeitsmarktpolitik
in Berlin-Brandenburg
11.9.2005 - Pressemitteilung DGB-Bezirk Berlin-Brandenburg - Die laut
rot-grüner Bundesregierung „größte Arbeitsmarktreform aller Zeiten“ hat ihre
Ziele verfehlt. Sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze wurden weiter
abgebaut, die arbeitsmarkpolitischen Instrumente greifen nicht, die
Qualifizierung Langzeitarbeitsloser wurde drastisch zurückgefahren. Anstatt
für Beschäftigung zu sorgen, wächst die Armut und die Hoffnungslosigkeit, so
Dieter Scholz, Vorsitzender des DGB, Bezirk Berlin-Brandenburg. „Hartz IV“
sei zum Inbegriff des Scheiterns auf dem Arbeitsmarkt geworden.
Während sich Ideen wie „Job-Floater“, Ich-AG oder Personalservice-Agenturen
als Flops erwiesen, habe auf dem regionalen Arbeitsmarkt Berlin-Brandenburg
ein Verdrängungswettbewerb stattgefunden: Zwischen 1995 und 2005 seien mehr
als 450.000 feste Arbeitsplätze abgebaut worden; derzeit liege die
Arbeitslosenquote bei 20,5 Prozent in der Region. In Berlin und Brandenburg
steige dagegen die Zahl der Minijobs auf rd. 300.000.
Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen seien zur Bedeutungslosigkeit degradiert
worden; berufliche Weiterbildung wurde um 8.000 Maßnahmen innerhalb eines
Jahres reduziert. Die Personalservivce-Agenturen, die bundesweit 350.000
neue Arbeitsplätze anstoßen sollten, hätten gerade einmal 2.600 Menschen
regional in Beschäftigung gebracht.
Die Euphorie über den Gründerboom bei den Ich-AGs habe sich verflüchtigt:
Viele „Kleinstunternehmer“ säßen mittlerweile auf einem Schuldenberg von bis
zu 10.000 Euro. Eine Entlastung des Arbeitsmarktes fände nicht statt. Das
bundesweite arbeitsmarktpolitische Experiment (18.600 Gründer in Berlin,
17.800 in Brandenburg) kostete die Beitragszahler rd. 2 Mrd. Euro. Die
Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe werde nicht zu
Einsparungen führen, da sich die Bundesregierung bei der Zahl Erwerbsfähiger
schlicht verrechnet habe. Der Förderaspekt dieses Konzepts werde
vernachlässigt, während gleichzeitig die sog. 1-Euro-Jobs wie Pilze aus dem
Boden schössen: 21.000 in Berlin, rd. 17.000 in Brandenburg. Doch der
prophezeite Brückenschlag auf den 1. Arbeitsmarkt finde nicht statt,
vielmehr verdrängten die Jobber häufig Beschäftigte im öffentlichen Dienst.
Die Massenarbeitslosigkeit verschärfe die soziale Lage. In sog.
Armutshochburgen wie dem Landkreis Uckermark seien bereits 19 von 100
Einwohnern auf Sozialtransfers angewiesen; die Leistungen nach dem SGB II
lägen 19 Prozent unter dem Existenzminimum. Untersuchungen in Brandenburg
zeigten, dass 70 Prozent der Erwerbslosen heute weniger zum Leben hätten als
vor einem Jahr. Initiativen wie die „Berliner Tafel“ betreuten allein in
ihren 30 Essenausgabestellen in Gemeindehäusern durchschnittlich 15.000
Bedürftige im Monat.
„Arbeitsmarkreform kann nur ein Element einer umfangreichen ökonomischen und
gesellschaftspolitischen Gesamtstrategie sein . Doch die sehe ich nicht beim
Hartz-Konzept“, urteilt DGB-Chef Scholz. Es fehle dem Arbeitsmarkt weder an
Flexibilität noch behindere der Kündigungsschutz die Schaffung neuer
Stellen. Die OECD habe untersucht, dass der Einfluss von
Arbeitsmarktregulierungen auf die Beschäftigung gering sei. Auch die
Arbeitsmarktimpulse durch die Binnenkonjunktur seien zu schwach. In
Deutschland sanken die Löhne, während sie auf europäischer Ebene anstiegen:
Die Kaufkraft müsse gesteigert werden, um der Binnenkonjunktur wieder auf
die Beine zu helfen. Auch die rot-grüne Steuerreform habe keinen
entscheidenden Beitrag im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit geleistet. Trotz
massiver Steuerentlastung von 60 Mrd. Euro zwischen 2001 und 2005 sei die
Investitionsbereitschaft nicht gestiegen und dementsprechend auch nicht die
Beschäftigung. Auch bei den öffentlichen Investitionen liege Deutschland
weit unter dem EU-Durchschnitt, was ebenfalls einen Beschäftigungszuwachs
verhindere. „Verteilungsgerechtigkeit hatte unter Rot-Grün keine Lobby.
Darunter leiden zuerst und vor allem die Arbeitslosen“, bilanzierte DGB-Chef
Scholz.
Die Langfassung des Textes finden Sie auf der Seite:
http://www.berlin-brandenburg.dgb.de/article/articleview/3840
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