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„Unerträgliches Ablenkungsmanöver!“
Diakonie zur Kampagne „Vorrang für die Anständigen“
5.10.2005 -
Pressemitteilung DWBO - Die Direktorin des Diakonischen Werkes
Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (DWBO), Susanne Kahl-Passoth, hat
die von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) aktuell geplante
Kampagne unter dem Titel „Vorrang für die Anständigen – gegen Missbrauch,
Abzocke und Selbstbedienung im Sozialstaat“ als „unerträgliches
Ablenkungsmanöver vom eigenen Versagen“ kritisiert.
Es handele sich dabei um einen völlig undifferenziert gegen ALG
II-BezieherInnen als angebliche „Abzocker“ gerichteten Amoklauf des
Ministers. Dieser verfolge dadurch das unehrenhafte Ziel, von einem durch
ihn persönlich und durch sein Ministerium verschuldeten Defizit der
Bundesagentur für Arbeit (BA) in Höhe von mehr als 10 Milliarden Euro
abzulenken, sagt die Theologin. Wer hier die Steuerzahler abgezockt habe und
wer die Verantwortung für das organisatorische Desaster trage, sei
offenkundig und den Bürgerinnen und Bürgern aus der täglichen Leidenspraxis
mit BA-Dienststellen auch bestens bekannt.
In einem an Minister Clement und den SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering
gerichteten Schreiben fordert die Diakoniechefin dazu auf, die Kampagne
gegen „Missbrauch, Abzocke und Selbstbedienung im Sozialstaat“ sofort
abzusagen. Jetzt sei auch die SPD mit ihrem Parteivorsitzenden Franz
Müntefering dringend gefragt, Herrn Clement zu disziplinieren und zu
verhindern, dass sozusagen im Namen der Sozialdemokraten, angesichts fraglos
vorhandener Missbrauchseinzelfälle, weiterhin deutschlandweit pauschale
Verleumdungen gegenüber Bürgerinnen und Bürgern verbreitet würden,
bekräftigt Kahl-Passoth.
Grundsätzlich unterstütze die Diakonie die Zielstellung von Hartz IV, soweit
durch qualifizierte Maßnahmen Arbeitslose gezielt an den 1. Arbeitsmarkt
herangeführt würden, so die Direktorin, intensive Beratung, Begleitung,
Qualifizierung und Abbau von Vermittlungshemmnissen seien die
Schlüsselbegriffe des Prinzips „Fördern und Fordern“. Noch immer aber
fehlten allein in Berlin und Brandenburg Hunderte von Beratern, und die
bereits eingesetzten klagten über mangelnde Qualifizierung für die
kundenorientierte Arbeit. Gänzlich fehl am Platze seien jetzt einseitige
Schuldzuweisungen, um gigantische Fehlplanungen zu vertuschen, schließt
Kahl-Passoth.
Bundeswirtschaftsminister Clement (SPD) hatte gegenüber der „Bild am
Sonntag“ den angeblich „wachsenden Sozialmissbrauch beim Arbeitslosengeld II
(ALG II)“ als eine der Ursachen für das finanzielle Desaster der BA benannt.
Angesichts dramatisch steigender Kosten der Hartz-IV-Reform sagte Clement
wörtlich: „Die Hemmschwellen für die Abzocke bei Arbeitslosengeld II und
weiteren Unterstützungsleistungen sind offenkundig gesunken.“ Neben
verstärkten Kontrollen kündigte er eine Kampagne an, durch die er „dem
Missbrauch beim ALG II“ begegnen wolle.
Medienberichten zufolge muss Clement diese Woche bei Finanzminister Hans
Eichel (SPD) einen weiteren Nachschlag für das ALG II in Höhe von 3,5
Milliarden Euro beantragen. Damit steigt die Belastung der Bundeskasse im
laufenden Jahr auf mehr als 26 Milliarden Euro. Im Haushalt waren
ursprünglich 14,6 Milliarden veranschlagt. Im Sommer hatte der
Haushaltsausschuss bereits weitere 8 Milliarden Euro bewilligt.
Quelle:
http://www.diakonie-portal.de/Members/Kotnik/presse/clementkampagne/view
Download:
Report des Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit: „Vorrang für die
Anständigen – Gegen Missbrauch, „Abzocke“ und Selbstbedienung im
Sozialstaat“ (pdf-Datei, 184 KB)
Ergänzungen Bundesminister Wolfgang Clement (pdf-Datei 112 KB)
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