 |
|
Schlechte Noten für
JobCenter
Stiftung Warentest legt Untersuchung vor
18.10.2005 -
FINANZtest - In den ersten Monaten nach dem Start vom Arbeitslosengeld
II herrschte bei Arbeitsagenturen und Arbeitsgemeinschaften Chaos.
Wochenlang warteten Arbeitslose auf ihr Geld. Oft verschwanden Unterlagen.
Maßnahmen zur Qualifizierung oder Beschäftigung waren Mangelware. Viele
Bescheide waren fehlerhaft. Zahlreiche Arbeitslose hatten mit ihrem
Widerspruch Erfolg und bekamen im Durchschnitt 127 Euro mehr als
ursprünglich bewilligt. Das sind Ergebnisse des Hartz IV-Tests der Stiftung
Warentest. Die Zeitschrift FINANZtest hat dafür 4 400 Arbeitslose und
zahlreiche Behörden befragt.
Widerspruch lohnt
Wichtigstes Ergebnis für Betroffene: Es lohnt, Widerspruch einzulegen. Er
brachte fast jedem Zweiten aller Befragten, die wegen Zweifeln an der
Rechtmäßigkeit des Bescheids Widerspruch eingelegt und bereits ein Antwort
bekommen hatten, zusätzliches Geld. Rund 50 Prozent gingen zunächst leer
aus. Ein guter Teil dieser Fälle kommt jetzt noch vors Sozialgericht.
Günstig für Arbeitslose: Widerspruchs- und Klageverfahren sind für sie
kostenfrei. Außerdem sind die Verfahrensregeln günstig: Es gibt keine
komplizierten Beweislastregeln und auch keinen Anwaltszwang. Behörde und
Gerichte klären den Sachverhalt von sich aus.
Schwund bei Unterlagen
Besonders erschreckend: Fast die Hälfte aller Umfrageteilnehmer musste
länger als vier Wochen auf den ALG II-Bescheid warten. Auch sonst gab's
reichlich Ärger. In zahlreichen Fällen verschwanden Dokumente. Rund die
Hälfte aller Befragten musste Unterlagen nochmals abgeben.
Wenig Weiterbildung
Angebote zur Qualifizierung und Beschäftigung waren selten. Besonders weit
liegen Anspruch und Wirklichkeit bei der Betreuung von Arbeitsuchenden unter
25 Jahren auseinander. Das Gesetz schreibt vor, ihnen unverzüglich eine
Beschäftigung anzubieten. Doch nur gut ein Drittel der Befragten in dieser
Altersklasse erhielten überhaupt ein Angebot. Für jeden Zweiten davon war es
ein Ein-Euro-Job. Laut Gesetz ist das eigentlich das absolut letzte Mittel,
wenn sonst nichts geht.
Kaum Vermittlung
Insgesamt ist die Situation noch sehr viel ungünstiger. Von 4 400
Umfrageteilnehmern erhielten nur 780 oder 18 Prozent überhaupt ein Angebot
für eine Maßnahme zur Qualifizierung oder Beschäftigung. Stellenangebote
sind noch seltener. Nicht einmal jeder zehnte Teilnehmer der Umfrage bekam
über das Amt eine Stelle angeboten, und erfolgreiche Vermittlungen waren
noch viel seltener. Wenn überhaupt, fanden Arbeitslose auf eigene Faust eine
neue Beschäftigung. Nur 7 Prozent der Befragten, die heute wieder arbeiten,
haben dies der Hilfe der Ämter zu verdanken.
Der
komplette Test:
mehr
Testkompass:
Bescheide & Widersprüche im Überblick
Tipps:
Wie Sie zu Ihrem Recht kommen
Service:
Mustertexte für
häufige Konstellationen
|
|