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INFOS ARBEITSMARKT UND SOZIALPOLITIK | ||
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Die Praktikantenfalle Doch bezahlte Arbeit wird ihr, trotz unzähliger Bewerbungen, nicht angeboten. Schlecht bezahlte Arbeit hingegen jede Menge. Ihre Bilanz seit dem Diplom: vier Praktika und ein Honorarvertrag. Durchschnittlicher Verdienst: ein paar hundert Euro im Monat. Sie hat auf diese Weise zwei Unternehmensberatungen, ein Marktforschungsinstitut, einen Bildungsträger und einen Personaldienstleister kennengelernt. Das Engagement war groß, immer in der Hoffnung, "reinzurutschen". Vergebens. Scholz ist kein Einzelfall. Neben Absolventen der Geistes- und Sozialwissenschaften, die schon immer Umwege in Kauf nehmen mussten, um den Einstieg ins Berufsleben zu finden, haben es inzwischen auch manche Juristen und Wirtschaftswissenschaftler auf dem Arbeitsmarkt schwer. Manfred Bausch, Arbeitsmarktexperte der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung, schätzt, dass sich die Zahl der Uni-Abgänger, die Praktika machen, in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt hat. Zwar ist die Arbeitslosigkeit unter Akademikern deutlich geringer als unter Jobsuchern, die nicht studiert haben. Doch auch die fertigen Studenten bekommen inzwischen die Folgen jahrelanger Wirtschaftsflaute zu spüren. "Viele Unternehmen haben ihre Personaletats eingefroren", hat Bausch beobachtet. Für Mehrarbeit werden dann Praktikanten eingesetzt. Und die erledigten inzwischen Jobs, für die früher jemand eingestellt worden wäre, kritisiert der Bundesjugendsekretär des DGB, Christian Kühbauch. Der Gewerkschaftsbund vertritt die Auffassung, dass Praktika nicht länger als drei Monate dauern dürften - und Hochschulabsolventen mindestens 600 Euro im Monat erhalten sollten. Doch das ist reines Wunschdenken, Praktika sind nicht selten gering oder gar nicht bezahlt. Unmoralische Angebote findet man im Internet inzwischen schnell: Da sucht ein Unternehmen aus der Metallbranche einen Praktikanten für das Telefonmarketing, Dauer des Praktikums "sechs bis 24 Monate". Und eine Lobby-Organisation würde gern "staatlich geprüfte Dolmetscher" als Praktikanten begrüßen, die "komplizierte wirtschaftliche Zusammenhänge übersetzen" sollen. Es geht auch anders. 225 Unternehmen wie Audi, Beiersdorf oder Edeka sind inzwischen der Initiative "fair company" beigetreten und haben sich verpflichtet, keine Vollzeitstellen durch Praktikanten zu ersetzen und "adäquate Aufwandsentschädigungen" zu zahlen. Neue Gesetze zur Festlegung solcher Standards sind aber nicht in Sicht. "Die Regelungen, die es gibt, reichen auch aus", meint der Rechtsanwalt und SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Pronold. Und empfiehlt ausgebeuteten Praktikanten, notfalls zu klagen. Bettina Richter hat das getan - und vor Gericht Recht bekommen. Richter saß selbst nach Ende des Betriebswirtschafts-Studiums in der "Praktikantenfalle" - und hat deswegen in Berlin den Verein "fairwork" gegründet, der sich für die Rechte von Praktikanten einsetzt. Seit Monaten bekommt sie täglich etliche E-mails von Betroffenen. Sie würde gern "Mut und Kampfgeist" unter den Praktikanten wecken. Doch die Stimmung, sagt sie, sei schlecht. Die Angst vor Arbeitslosigkeit ist offenbar groß. Aber nicht immer wirklich begründet: Nach einer Untersuchung des Hochschul-Informationssystems Hannover fanden beispielsweise fast alle Wirtschaftswissenschaftler, die nach Studienende erst mal ein Praktikum gemacht hatten, bald darauf einen festen Job. Andreas Eimer vom Career Service der Uni Münster wünscht sich vor diesem Hintergrund mehr studentisches Selbstbewusstsein. Er hat bereits etliche Absolventen erlebt, die hochqualifiziert und mit Diplom in der Tasche in die Beratung kamen und sagten: "Gut, jetzt mache ich ein Praktikum". Eimer empfiehlt dann dringend, sich doch erst mal auf feste Stellen zu bewerben. Quelle: epd sozial 46/2005 - 18.11.2005 Link zum Verein fairwork e. V.: http://www.fairwork-verein.de/ |
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