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Offensives Konzept bei erster Berliner Armutskonferenz gefordert 13.5.2007 - Evangelischer Pressedienst Die Berliner Diakonie-Direktorin Susanne Kahl-Passoth hat ein "offensives Konzept zur Verhinderung und Beseitigung von Armut" gefordert. Dazu gehörten die Einführung von Mindestlohn, ein ausgebautes Gesundheitsvorsorgenetz für Kinder sowie ein ausreichendes Beratungsangebot einschließlich Schuldnerberatung, sagte sie am Sonnabend auf der ersten Berliner Armutskonferenz. Ein solches Konzept fehle in Kirche und Gesellschaft, betonte die evangelische Theologin vor den rund 100 Teilnehmern aus sozialen Projekten, Kirchgemeinden und Diakonie-Einrichtungen. Die ehemalige Bundesfamilienministerin Christine Bergmann warnte vor einer Ausgrenzung von Menschen ohne Arbeit. Die Stigmatisierung der Langzeitarbeitslosen als Menschen, die nicht arbeiten wollten und Sozialmissbrauch betrieben, trage erheblich dazu bei. "Ein Negativbeispiel reicht, um vier Millionen Menschen unter Generalverdacht zu stellen", beklagte die SPD-Politikerin, die zu den Autoren der jüngsten Armuts-Denkschrift der EKD "Gerechte Teilhabe - Befähigung zur Eigenverantwortung und Solidarität" gehört. Auch Kahl-Passoth äußerte scharfe Kritik am Umgang mit den Armen. Von der Politik würden sie als Drückeberger diffamiert, die fehlende Bereitschaft zeigten, Arbeit überhaupt anzunehmen. Dagegen nehme die Zahl der Menschen immer mehr zu, die unverschuldet ihren Arbeitsplatz verlören. Es gebe eine "Vergrößerung der Armut bis in die Mitte unserer Gesellschaft hinein", erklärte sie. So seien bereits elf Millionen Menschen arm beziehungsweise von Armut bedroht, drei Millionen Haushalte überschuldet und sieben Millionen Menschen lebten auf Sozialhilfeniveau. Es sei ein Irrtum der Politik, diese Zahlen durch das Wirtschaftswachstum korrigieren zu können. Zur EKD-Denkschrift zum Thema Armut betonte sie, es fehlten darin Erfahrungen mit der realen Situation von Armen. Entwürdigendes Verhalten von Arbeitsagenturen und Jobcentern mit Arbeitslosen käme nicht vor. Außerdem fehle die emotionale Bewertung von Armut, erklärte die Diakoniechefin. Gebraucht werde darum eine Kirche, "die nicht wegschaut, sich eindeutig in der Armutsthematik positioniert und gleichzeitig im Zusammenwirken von Diakonie und Gemeinden ein Netz unterstützender Angebote schafft". Texte zum Download: >> Ausführlicher Bericht von der ersten Berliner Armutskonferenz (PDF, 32 KB) >> Referat von Susanne Kahl-Passoth (PDF, 61 KB) >> Referat von Dr. Christine Bergmann, (PDF, 45 KB) >> Am Umgang mit den Armen erweist sich die Gottestreue der Menschen, Biblische Gedanken zum Thema Armut (PDF, 21 KB) |
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