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Pro Jahr nur 9,12 Euro für Spielzeug
Berliner Grüne fordern Anhebung der Regelsätze für Hartz-IV-Empfänger

10.8.2007 - Marie-Lena Hutfils - Berliner Zeitung

Jedes dritte Kind in Berlin lebt in Armut. 170 000 Kinder in der Stadt würden von Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld leben, teilte die Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus gestern mit. Forderungen nach gesunder Ernährung, nach mehr Sport und Bewegung sowie stärkerer Nutzung von kulturellen und Bildungsangeboten liefen für zu viele Kinder und Jugendliche ins Leere, weil die Eltern die Kosten dafür nicht aufbringen könnten, erklärten die Grünen-Abgeordneten Ramona Pop und Elfi Jantzen.

Die Politikerinnen haben den Senat aufgefordert, sich auf Bundesebene für eine Anhebung der Regelsätze bei Hartz IV insbesondere für Kinder zwischen dem siebten und vierzehnten Lebensjahr einzusetzen. Derzeit werden Kinder dieser Altersgruppe mit Kindern bis zu einem Alter von sieben Jahren gleichgesetzt. So erhalten Eltern für jedes Kind bis 14 Jahre gleichermaßen einen Satz von 207 Euro monatlich. Dies entspreche nicht den realen Lebensverhältnissen", hieß es.

Die Grünen weisen darauf hin, dass Kinderarmut früh sichtbar wird. So geben nach einer Verbraucheranalyse Eltern für Spielwaren durchschnittlich 180 Euro pro Kind im Jahr aus. Für Hartz-IV-Empfänger sehe der Regelsatz für Spielwaren aber nur 9,12 Euro pro Kind jährlich vor. Für Bildung, zum Beispiel für die Teilnahme an Kursen oder an einem Schüleraustausch, seien im Regelsatz gar keine Ausgaben enthalten, hieß es. Und obwohl Ernährungsexperten empfehlen, mindestens vier Euro pro Kind täglich für eine gesunde Ernährung auszugeben, enthalte der Regelsatz nur 2,55 Euro pro Tag für Essen und Getränke.

"Die Kinder leiden permanent unter den Auswirkungen der Armut", erklärte die stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Ramona Pop. Das fange beim Mittagessen in der Ganztagsschule an, wo Eltern das oft drei bis vier Euro teure Essen einfach nicht bezahlen könnten. Auch bei Schulausflügen seien arme Kinder oft ausgeschlossen, weil ihre Eltern die Eintrittspreise oder Fahrtkosten nicht aufbringen könnten.

In einigen Schulen und Kitas werde durch Fördervereine versucht, Kindern Tagesausflüge und Klassenfahrten zu finanzieren, sagte die familienpolitische Sprecherin der Fraktion, Elfi Jantzen. Trotzdem könne dies nicht immer ermöglicht werden. In Bezirken mit verstärkter Armut wie Friedrichshain-Kreuzberg oder Neukölln fielen solche Ausflüge dann aus.

Beide Politikerinnen forderten, Erzieher und Lehrer durch Fortbildungen für den Umgang mit armen Kindern zu sensibilisieren. "Es bringt nichts, nur das Geld etwa zum Kauf von Nahrungsmitteln anzuheben", sagte Jantzen. Vielmehr müssten die Lehrer auch mehr darauf achten, dass Kinder tatsächlich genug gesundes Essen in der Schule dabeihätten.

Quelle: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/berlin/676775.html