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Irren ist amtlich - Beratung kann helfen!
Berliner
Arbeitslosenzentrum startet Aktion vor Berliner Jobcentern
18.8.2007 -
Frank Steger –
Berliner Arbeitslosenzentrum
Mit einem
Beratungsbus wollen die Berliner Wohlfahrtsverbände unabhängige
Sozialberatung anbieten und auf soziale Missstände hinweisen. Seinen ersten
Einsatz findet der Bus in einer Aktion des Berliner Arbeitslosenzentrums
(BALZ) vor allen zwölf Jobcentern der Hauptstadt.
"Irren ist
amtlich – Beratung kann helfen"
lautet das Motto.
Im Sommer 2005, wenige Monate nach Einführung von Hartz IV, legte
die Stiftung Warentest die Ergebnisse eines ungewöhnlichen Tests vor. Die
Verbraucherschützer hatten mehr als 4000 Arbeitslose nach ihren Erfahrungen
mit der Arbeitsmarkt-Reform befragt.
Das Fazit war niederschmetternd: Bei den Behörden herrschte Chaos.
Arbeitslose warteten wochenlang auf ihr Geld. Unterlagen verschwanden. Nach
Widersprüchen gegen die Bescheide erhielten die Betroffenen im Durchschnitt
127 Euro mehr an Leistung als ursprünglich bewilligt.
Zwei Jahre später hat sich die Lage zwar entspannt. Aber Normalität ist bei
den Jobcentern immer noch nicht eingekehrt.
Die vielen handwerklichen Fehler von Hartz IV und die Strukturmängel
der Arbeitsverwaltung beschäftigen jetzt im wachsende Maße die Gerichte.
"Die Zeitbombe tickt, die Einsprüche gegen Hartz IV steigen und steigen",
schlug Ende 2006 Richter Michael Kanert vom Berliner Sozialgericht Alarm.
Im letzten Jahr gingen am größten deutschen Sozialgericht über
12 000 Klagen allein zu Hartz IV ein. Gegenüber dem Staatssekretär für
Justiz beklagten Berlins Sozialrichter, dass die Mitarbeiter der Jobcenter
„nicht nur in Einzelfällen“ über unzureichende Kenntnisse des Sozial- und
Verfahrensrechts verfügten.
Der Grund: Das Personal wurde aus dem „Überhang“ aus allen Bereichen der
Berliner Verwaltung rekrutiert.
Eine Folge: Entscheidungen der Widerspruchsstellen würden von den
Leistungsstellen mitunter nicht umgesetzt. Ein klarer Verstoß gegen die
gesetzliche Stellung und Funktion einer Widerspruchsbehörde. Das Gleiche
geschehe mit gerichtlichen Beschlüssen im einstweiligen
Rechtsschutzverfahren. Diese würden aus Unverständnis viel zu häufig nicht
umgesetzt. Das führe dazu, dass bei Gericht weitere Anträge eingingen, in
denen bemängelt werde, dass das Jobcenter die Gerichtsentscheidung
ignoriere, so die Richter.
In den nächsten Tagen wird das Berliner Arbeitslosenzentrum (BALZ)
mit einer öffentlichen Aktion auf diese für die Betroffenen unerträgliche
Situation hinweisen.
"Irren ist amtlich – Beratung kann helfen", so das Motto.
Mit einem Beratungsbus, den die Berliner Wohlfahrtsverbände
bereitstellen, werden alle zwölf Berliner Jobcenter angefahren. Der Bus ist
so ausgestattet, dass eine vertrauliche Beratung vor Ort möglich ist.
In den letzten Jahren sind die Gelder für die soziale Beratung in
Berlin erheblich gekürzt worden. Zahlreiche Beratungsstellen mussten
schließen. Die Aktion soll deshalb auch eine Lanze für die unabhängige
Sozialberatung brechen.
Mit dem Beratungsbus vor dem Jobcenter
Kostenlose Information und Beratung für Berliner Arbeitslose
jeweils 8 – 13 Uhr:
Di, 21. August, Jobcenter Mitte
Do, 23. August, Jobcenter Lichtenberg
Fr, 24. August , Jobcenter Marzahn-Hellersdorf
Mo, 27. August, Jobcenter Neukölln
Di, 28. August, Jobcenter Treptow-Köpenick
Do, 30. August, Jobcenter Tempelhof-Schöneberg
Fr, 31. August, Jobcenter Steglitz-Zehlendorf
Mo, 3. September, Jobcenter Charlottenburg-Wilmersdorf
Di, 4. September, Jobcenter Pankow
Do, 6. September, Jobcenter Reinickendorf
Fr, 7. September, Jobcenter Spandau
Mo, 10.
September, Jobcenter Friedrichshain-Kreuzberg
Mehr Informationen
Zu der Aktion hat das BALZ eine Internetseite eingerichtet mit
weiteren Informationen, Hinweisen zu Widerspruch- und Klageverfahren, einer
aktuellen Liste von Beratungsstellen in Berlin, die zu Fragen rund um das
ALG II beraten.
http://www.beratung-kann-helfen.de
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