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Beratungsbus erlebt vor Jobcentern
regelrechten Ansturm
30.8.2007 - Evangelischer Pressedienst
Der neue Beratungsbus für Arbeitslose der Berliner Wohlfahrtsverbände hat in
der ersten Woche seines Einsatzes vor Jobcentern einen regelrechten Ansturm
erlebt. "Der Bus wird von Ratsuchenden geradezu belagert", sagte der
Vorstand des Berliner Arbeitslosenzentrums (BALZ), Frank Steger, am
Donnerstag in der Bundeshauptstadt. In den bisher sechs Einsatztagen der
insgesamt dreiwöchigen Aktion unter dem Motto "Irren ist amtlich - Beratung
kann helfen!" seien bereits rund 150 Gespräche geführt worden.
Die Fragen beträfen die gesamte Bandbreite des Arbeitslosengeldes II, sagte
Steger. Häufige Themen seien Umzugsaufforderungen, Einkommensanrechungen,
unberechtigte Abzüge bei Krankenhausaufenthalten, unverständliche und nicht
nachvollziehbare Bescheide oder zu lange Bearbeitungszeiten. Der Bus, der in
den kommenden zwei Wochen jeweils von 8 bis 13 Uhr vor weiteren Jobcentern
stehen wird, soll die Betroffenen zum Widerspruch ermutigen und zugleich für
die zahlreichen Beratungsangebote in Berlin werben.
Auch die Klageliste über fehlende Kundenorientierung in den Jobcentern sei
lang, sagte Steger. "Die Betroffenen fühlen sich viel zu häufig als
Bittsteller, lästiger Störer oder ungebetener Gast." Von einem modernen
Dienstleistungsbetrieb sei die Hartz-IV-Verwaltung "noch weit entfernt".
Nach wie vor würden die Menschen von "A nach B geschickt", seien ständig mit
wechselndem Personal konfrontiert und könnten mit ihren Anliegen nicht bis
zu einem persönlichen Sachbearbeiter vordringen.
Dazu kämen Falschinformationen und Rechtsunsicherheit in den Jobcentern,
sagte Steger. Die Mitarbeiter seien zum Teil schlecht qualifiziert. So seien
nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di etwa ein Drittel der
Mitarbeiter in den Berliner Jobcentern frühere Telekom-Mitarbeiter, die über
die Beschäftigungsgesellschaft Vivento aufgefangen werden. "Gerade diese
sind bei komplizierten sozialrechtlichen Fragen häufig überfordert", so
Steger.
Steger verwies darauf, dass die Zahl der Widersprüche und Klagen in Berlin
stark zu genommen habe, häufig mit Erfolg. 40 Prozent aller Widersprüche und
40 Prozent aller Klagen in der Bundeshauptstadt würden zugunsten des
Betroffenen entschieden. Beim Berliner Sozialgericht waren im vergangenem
Jahr 12.000 Klagen anhängig, in den ersten sechs Monaten dieses Jahres waren
es bereits 7.742.
2008 ist geplant, den von der Berliner Liga der Wohlfahrtsverbände zur
Verfügung gestellten Bus einmal pro Monat vor einem Jobcenter aufzustellen.
Die Finanzierung der aktuellen dreiwöchigen Aktion wird von der "Stiftung
Menschenwürde und Arbeitswelt" übernommen. Das 1980 gegründete gemeinnützige
Berliner Arbeitslosenzentrum ist die älteste Beratungseinrichtung für
Arbeitslose in der Bundeshauptstadt. Dem Trägerverein gehören neben
Einzelpersonen acht evangelische Kirchenkreise an.
Mehr:
www.beratung-kann-helfen.de
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