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Macht Sarrazin satt?

Der Finanzsenator ließ in seiner Behörde einen Speiseplan erstellen, der zeigen soll, wie man als Hartz-IV-Empfänger mit dem Tagessatz von 4,25 Euro leben kann

8.2.2008 – Von Boris Dombrowski - BZ

Milch, Brot, Butter – Lebensmittel werden immer teurer. Das trifft Berlins 203 344 Hartz-IV-Empfänger besonders hart. Denn für Ernährung (und Zigaretten) sieht der Regelsatz nur 4,25 Euro pro Tag vor. Kann sich ein Erwachsener davon gesund ernähren?

„Ja“, sagt Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD). Er hat eine Mitarbeiterin zum Preis-Check in einen Discounter geschickt und einen 3-Tages-Menü-Plan erstellen lassen. Schon für 3,76 Euro am Tag (siehe Tabelle unten) gibt's drei Mahlzeiten. Sarrazin: „Der Speiseplan zeigt: Man kann sich auch von einem Transfereinkommen ausgewogen und gesund ernähren. Das hat die Finanzverwaltung mit aktuellen Preisen empirisch belegt.“

Sarrazin betont, dass er niemandem vorschreiben will, was er essen soll. Trotzdem machte er sich Gedanken um Abwechslung auf dem Tisch. Der teuerste Tag seines Speiseplans schlägt mit 3,98 Euro zu Buche – also 27 Cent weniger, als der Hartz-IV-Satz (347 Euro monatlich) für Speisen und Tabak (128 Euro/Monat, entspricht 4,25 Euro am Tag) vorsieht. Zigaretten sind in seiner Rechnung aber nicht miteinbezogen.

Kochen mit Sarrazin – diverse Untersuchungen haben allerdings ergeben, dass in 40 bis 70 % der Hartz-IV-Haushalte gar nicht gekocht wird. „Wir hören vermehrt, dass warme Mahlzeiten in armen Familien vom Speiseplan gestrichen werden, um Strom zu sparen“, sagt Alfred Schleimer von der „Caritas“. Als arm gilt, wer weniger als 781 Euro monatlich hat.

Lebensmittel, Strom – die Preise steigen, aber die Hartz-IV-Sätze basieren noch immer auf dem Preis-Niveau von 2004. Laut Paritätischem Wohlfahrtsverband haben Hartz-IV-Empfänger wegen der permanenten Verteuerung seitdem rund 4,6% ihrer Kaufkraft verloren.

„Deshalb müssen die Regelsätze – am besten von einer unabhängigen Experten-Kommission – neu berechnet werden“, fordert Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (Linke).

Quelle: http://www.bz-berlin.de/BZ/berlin/2008/02/09/hartz-4-speiseplan/hartz-4-speiseplan.html