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Erfolglose Ein-Euro-Jobs
Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung legt Studie vor
12.2.2008 - Von Matthias Loke - Berliner Zeitung
Die
Zwischenbilanz über die Wirksamkeit der Ein-Euro-Jobs fällt außerordentlich
bescheiden aus - man kann auch niederschmetternd sagen. Denn auf den Kern
reduziert, lautet das Ergebnis: Ein-Euro-Jobs verbessern kaum oder gar nicht
die Chancen, wieder in eine reguläre Beschäftigung zu gelangen, sie
verbessern auch nicht die Chancen, von der staatlich alimentierten
Bedürftigkeit wegzukommen. Das ist für ein Programm, in dem aktuell weit
über 200 000 Teilnehmer mehr oder weniger sinnvoll beschäftigt werden,
schlicht zu wenig, es ist ein arbeitsmarktpolitischer Offenbarungseid.
Dabei
steht die Seriosität der Ergebnisse außer Zweifel. Das mit guten Noten
versehene Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg hat in
einer Studie die sogenannten Arbeitsgelegenheiten untersucht. Die Forscher
kamen zu dem Schluss, dass die Ein-Euro-Jobs kein Sprungbrett sind, in eine
Arbeit zu gelangen, die so bezahlt wird, dass man davon leben kann. Das
Gegenteil ist eher der Fall: Die Wahrscheinlichkeit, von den staatlichen
Unterstützungsleistungen wegzukommen, ist sogar geringer als bei
vergleichbaren Arbeitslosen ohne Ein-Euro-Jobs, lautet das Fazit. Der Grund
dafür: Wer einmal an einer solchen Maßnahme teilgenommen hat, würde auch
eher schlecht bezahlte Tätigkeiten akzeptieren und somit häufig ergänzende
Hartz-IV-Leistungen erhalten. Eine solche Wirkung ist aber nun genau das
Gegenteil von dem, was erreicht werden soll, nämlich den Ein-Euro-Jobber aus
dem System der Unterstützungsleistungen herauszubringen.
Die
Betroffenen müssen zudem mit einem weiteren Handicap leben. In der Zeit
eines Ein-Euro-Jobs nehmen die Teilnehmer seltener als andere eine
"richtige", eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auf, weil sie
sich schlicht weniger bewerben, weniger nach anderen Stellen suchen und sie
den Ein-Euro-Job als echte Alternative sehen. Die Forscher nennen das
bezeichnenderweise einen "Einsperreffekt".
Auf
der Haben-Seite führen die Forscher zwei magere positive Effekte an. Danach
haben Personen, die lange überhaupt nicht beschäftigt waren, eine marginal
höhere Chance, nach einem Ein-Euro-Job eine Beschäftigung zu finden. Zudem
verweisen die Forscher darauf, dass die Jobs genutzt würden, um die
Arbeitsbereitschaft von Arbeitslosen zu prüfen und deren soziale Integration
zu fördern. Wo dies das erste und einzige Ziel ist, mögen Ein-Euro-Jobs Sinn
machen. Ansonsten sollte man sie abschaffen.
Quelle:
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/wirtschaft/724469.html
Ein-Euro-Jobs bringen nur einigen bessere Jobchancen, Presseinformation
des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung vom 11.2.2008
Die Studie (PDF, 823 KB) kann abgerufen werden unter
http://doku.iab.de/kurzber/2008/kb0208.pdf
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