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Diakonie: Agenda 2010 muss sozialpolitisch
überarbeitet werden
Das wachsende Nationaleinkommen gerechter verteilen und
Teilhabe sichern
19.5.2008 - Pressemitteilung des Diakonischen Werks der
Evangelischen Kirche in Deutschland
Die Inhalte des heute veröffentlichten Entwurfs des 3. Armuts- und
Reichtumsberichts der Bundesregierung bezeichnet der Präsident des
Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland Pfarrer
Klaus-Dieter Kottnik als Alarmsignal. Noch alarmierender sei allerdings,
dass die Entwicklung seit längerem bekannt sei. Kottnik: "Die entscheidende
Aussage des Berichts lautet: Die Situation der armen Menschen in Deutschland
hat sich in den letzten Jahren drastisch verschlechtert; hingegen konnten
die einkommensstarken Gruppen weitere Verbesserungen verzeichnen. Eine auf
Integration und Zusammenhalt angelegte Gesellschaft muss diese
Auseinanderentwicklung stoppen." Insbesondere sei es nicht hinnehmbar, dass
das wachsende Nationaleinkommen an der Gesamtgesellschaft vorbeilaufe. "Wir
brauchen eine neue Diskussion um ein gerechtes Steuersystem und die
Solidarität in den Sozialversicherungssystemen", so Kottnik. Außerdem müsse
die Globalisierung mit einem sozialpolitischen Rahmen versehen werden. "Wir
brauchen endlich einen internationalen Sozialstaatsdialog, um die wirklich
guten, also humanen Wirtschaftsstandorte dieser Welt, damit wir aus der
Scheindebatte um gute Wettbewerbsfähigkeit herauskommen".
Kottnik fordert sofortige Maßnahmen, mit denen die Teilhabechancen der armen
Menschen wieder verbessert werden. "Noch vor der Sommerpause könnten
Lernmittelfreiheit, Zuschüsse zum Mittagessen in den Schulkantinen und
Anspruch auf Fahrtkostenerstattung für Schülerinnen und Schüler aus armen
Familien im Bundestag behandelt werden. Die Gesetzentwürfe liegen vor. Bund
und Länder müssen sich an dieser Stelle bald einigen." Insgesamt müssten die
Kinderbetreuungs- und Bildungsangebote sich deutlich verbessern, um auch
alleinerziehenden Menschen die Möglichkeit zu geben, ein auskömmliches
Erwerbseinkommen zu erzielen. Weiterhin setzt sich der Diakoniepräsident für
einen kinderspezifischen Regelsatz ein, der auch die Bedarfe der Kinder
berücksichtigt, die auf ihre Entwicklung und ihr Wachstum zurückzuführen
sind.
Bei allen positiven Meldungen vom Arbeitsmarkt dürfe nicht übersehen werden,
dass der Rückgang der Arbeitslosigkeit nahezu ausschließlich die
arbeitsmarktnahen Menschen betreffe. Um so dringender mahnt Präsident
Kottnik bessere Maßnahmen für langzeitarbeitslose Menschen an: "Jeder weiß,
dass ein Ein- Euro-Job kein ideales Instrument ist, das mittel- oder
langfristig die Arbeitsmarktintegration sicher stellt. Trotzdem ist es mit
weitem Abstand das Instrument, das am häufigsten angewendet wird. Sinnvoller
sind langfristigere Bildungsmaßnahmen oder auch unbefristete
Beschäftigungsangebote im zweiten Arbeitsmarkt." Auch müssten Menschen mit
sozialen und gesundheitlichen Problemen qualifiziertere Hilfen und
Förderangebote von den Jobcentern erhalten. "Es ist sehr bedenklich, dass
die Jobcenter mit weitreichenden Rechten ausgestattet sind, während es
keinen verlässlichen Rechtsanspruch auf Eingliederungs- und Fördermaßnahmen
gibt".
Schließlich müsse auch die finanzielle Ausstattung der Haushalte verbessert
werden. Kottnik: "Der Ausbau des Kinderzuschlags und die Verbesserung des
Wohngelds sind wichtige Schritte, die die Diakonie im parlamentarischen
Verfahren unterstützt hat. Sie sollten so bald wie möglich wirksam werden.
Ebenso muss noch in diesem Herbst eine Erhöhung des Kindergelds beschlossen
werden."
Kernaussagen des 3. Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung
>> Download (PDF, 115 KB)
Entwurf des 3. Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung
>> Download (PDF, 1,5 MB)
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