3. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung
Paritätischer rügt
systematische Fehler - Armutsrisiko höher
21.5.2008 - Von Rudolf
Martens – Paritätischer Gesamtverband
Das
Bundesarbeitsministerium hat einen Entwurf des Armuts- und
Reichtumsberichtes der Bundesregierung veröffentlicht. Im Folgenden werden
die Ergebnisse der Untersuchungen zur Einkommensarmut kommentiert und
zusammengefasst. Demnach beträgt die Armutsquote 18 %, besonders betroffen
sind Alleinerziehende, Arbeitslose und Kinder.
Der vom Arbeitsministerium kommentierte zentrale Befund der Studie, wonach
13 % der Bevölkerung in Deutschland armutsgefährdet sind, ist mit solch
gravierenden statistisch-empirischen Problemen behaftet, so dass die Angabe
13 % insgesamt als falsch bezeichnet werden muss. Vielmehr muss von einer
Armutsrisikoquote von 18 % ausgegangen werden, diese Zahl kursierte bereits
in den letzten Wochen in den Medien.
Hintergrund ist, dass der Armutsbericht zur Bestimmung der Armutsquoten auf
vier verschiedene Datenquellen zurückgreift. Dies sind
-
die
Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Statistischen Bundesamtes (EVS),
-
der
Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes,
-
das
Sozio-ökonomische Panel (SOEP) des Deutschen Instituts für
Wirtschaftsforschung (DIW) und
-
die
Europäische Statistik zu Einkommens- und Lebensverhältnissen (EU-SILC) in
Europa (Statistisches Bundesamt).
Die vom Arbeitsministerium genannten 13 % basieren auf der Europäischen
Statistik. Das Erhebungsdesign von EU-SILC führt jedoch in Deutschland
systematisch zu erheblichen Untererfassungen bei der Armutsquote. Dies
resultiert zum einen aus der mangelhaften Berücksichtigung von Wohneigentum
als Einkommensressource, zum anderen darauf, dass die Fragebögen von EU-SILC
lediglich in deutscher Sprache versandt werden und Interviews nur in deutsch
geführt werden. Personen - vor allem mit Migrationshintergrund - werden so
deutlich untererfaßt. Im Unterschied dazu werden beide Sachverhalte im
Sozio-ökonomischen Panel (SOEP) des DIW berücksichtigt, womit die vom DIW
errechneten Quoten wesentlich zutreffender sind (was im übrigen nicht einmal
im Armutsbericht selbst bestritten wird).
Die Armutsquoten nach dem SOEP für verschiedene Altersgruppen,
Haushaltstypen u.ä. finden Sie im Anhang des Armutsberichts auf Seite 294
(Tabelle A.1.: Einkommensarmutsrisiko). In der Anlage findet sich dazu eine
graphische Aufbereitung der Daten. Danach hat die Armutsrisikoquote zwischen
1998 und 2005 von 12 % auf 18 % zugenommen. Überproportional betroffen sind
Kinder bis 15 Jahre, Alleinerziehende und Arbeitslose. Für 2005 beträgt die
Armutsrisikoquote von Kindern nach dem SOEP 26 % (nach der Europäischen
Statistik wären Kinder stattdessen lediglich unterproportional von Armut
betroffen), für Alleinerziehende 36 % und für Arbeitslose 53 %.
Dr. Rudolf Martens:
Zusammenfassende Ergebnisse des Entwurfs des Armuts- und Reichtumsberichtes
der Bundesregierung
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